Tübingen – Geschichte und Kultur am Neckar

Sendung vom 15. / 16. Oktober 2016 

© Bürger- und Verkehrsverein Tübingen

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Tübingen ist das geographische Herz von Baden-Württemberg und gilt als „Tor zum Nordschwarzwald“, aber auch zur Schwäbischen Alb. Die Stadt am Neckar liegt rund 40 km südlich von Stuttgart. Knapp 90.000 Menschen leben in der Universitätsstadt. Tübingen gilt als eine der Städte mit der durchschnittlichen jüngsten deutschen Bevölkerung. Grund dafür ist natürlich die große Zahl an Studenten. Daneben ist Tübingen auch das kulturelle Herz der Region und Einkaufsstadt.

Tübingen ist eine recht gebirgige Stadt. Sie schmiegt sich zusammen mit ihren Stadtteilen an zahlreiche Berge an. Die meisten davon sind ehemalige Weinberge. Zudem erstreckt sich die Stadt entlang des Neckars. Vom Neckartal auf rund 300 Meter über n.N. geht es bis auf rund 520 Höhenmeter hinauf. Zwei der Hausberge sind der Schlossberg und der Österberg. Die früheren Weinberge wurden seit dem 19.Jahrhundert nach dem Durchbruch der alten Stadtmauer und dem Abriss der früheren Stadttore nach und nach bebaut. Die Stadt hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wichtigste Jahreszahl ist aber ohne Zweifel 1477. Damals wurde die Universität gegründet. Im Volksmund heißt es seither: „Tübingen hat keine Universität, Tübingen ist eine“. – Die historischen Wurzeln reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück. Damals hatten sich die Alemannen an der Furt am Neckar niedergelassen. Der einst für die Römer so wichtige Handelsweg verwandelte sich im Laufe der Jahre in einen Zubringer zum Jakobspilgerweg nach Santiago di Compostella.

© Bürger- und Verkehrsverein Tübingen

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Anders als andere Städte blieb Tübingen von Zerstörungen durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Weil die Stadt eine Lazarettstadt war und es hier keine kriegswichtige Industrie gab, war die Stadt als Ziel für Luftschläge offenbar uninteressant. Die meisten Industriekonzerne waren bereits im 19. Jahrhundert nach Reutlingen gewechselt, nachdem sich die Tübinger Bürger gegen eine Industrialisierung der Stadt entschieden hatten. Damals waren die Oberhäupter der Stadt der Auffassung, dass Industrie immer mit Schmutz und Lärm verbunden ist und viele Arbeiter dem Ansehen der Universitätsstadt schaden könnten.

Die zahlreichen Berge machen das Fortbewegen in Tübingen gar nicht so einfach. An vielen Stellen gibt es die kleinen Treppen, die die einzelnen Höhenlagen der Stadt miteinander verbinden. Die historischen Viertel verfügen zudem noch über zahlreiche Straßen mit Kopfsteinpflaster.

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Tübingen versteht seine historische Innenstadt mit den Fachwerkhäusern und den zahlreichen Gassen und Gässchen nicht als historische „Puppenstube“, sondern als lebendige, pulsierende Stadt. Apropos enge Straßen: Das schmälste Gässchen in der Tübinger Innenstadt misst eine Breite von gerade mal 80 Zentimetern.

Eines der Prunkstücke in der Tübinger Altstadt ist das Rathaus. Im Mittelalter war es einst als Kaufhaus errichtet worden. Der Sitzungssaal war früher die Lederbühne, dort hatten die Lederwarenproduzenten und Gerber ihre Verkaufsstände. Highlight ist sicherlich die Rathausuhr des Tübinger Astronomen Johannes Stöfflein aus dem Jahr 1512. Noch heute funktionieren große Teile des ursprünglichen Uhrwerks. Die Uhr zeigt neben der Realzeit auch die astronomische Uhr mit den Sternzeichen und den Daten der nächsten Sonnen- und Mondfinsternis anzeigt. Darüber hinaus verfügt sie über eine Monduhr. Sie lässt die Tübinger wissen, wann Neumond, Halbmond oder Vollmond ist. Mehrmals täglich erklingt ein beliebtes Glockenspiel zur vollen Stunde.

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Das Herz von Tübingen schlägt auf dem Marktplatz. Drei Mal in der Woche findet hier der Markt statt, der viele Besucher anlockt. Immer am ersten Wochenende nach den Schulsommerferien findet dort auch der Umbrisch-provencialische Markt statt. Dann bieten Gäste aus den Tübinger Partnerstädten ihre Spezialitäten an – ein Buffet aus italienischen, französischen und schwäbischen Delikatessen.

Von der Eberhardsbrücke über den Neckar aus lohnt sich der Blick auf die Neckarfront, ein dicht bebautes Stadtviertel direkt am Neckarufer, in dem es noch Teile der historischen Stadtmauer zu bewundern gibt. Auf den Resten der alten Stadtbefestigung stehen alte, kleine, vielfarbige Häuser mit steilen, spitzen Gibeln, die bis zu sieben Etagen hoch sind. Vor allem im Sommer lohnt eine Panoramafahrt auf dem Neckar mit den Stocherkähnen, die für Tübingen so bekannt sind.

Ein weiterer Teil der alten Stadtbefestigung ist der Hölderlinturm. Er war im 19. Jahrhundert mal ausgebrannt und wurde deshalb restauriert wieder aufgebaut. Zahlreiche weitere Türme befinden sich auf den Weinbergen rund um die Altstadt. Herrliche Perspektiven versprechen zum Beispiel auch der Österbergturm oder der Bismarckturm.

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© Bürger- und Verkehrsverein Tübingen

Eines der Wahrzeichen der Stadt ist das Schloss Hohentübingen hoch über der Stadt. Errichtet wurde es von den Pfalzgrafen um das Jahr 1050. Die Anlage war ein wichtiges Bollwerk der Württemberger gegen feindliche Angriffe. Oft hatten die Franzosen die Festung belagert, erobert werden konnte sie nie. Das lag zum einen an den vielen engen Gassen der Stadt, die sie umgeben. Auch war es ein Problem, das militärische Gerät auf engen Pfaden bergauf zu befördern. Das Schloss verfügt zudem über eine eigene Zisterne und große Vorratskammern. Damit war die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser gesichert. Ein Aushungern hatte nie funktioniert. Immer wieder mussten die Franzosen deshalb ihren Rückzug antreten. Dass sich das Verhältnis zu den Nachbarn deutlich verbessert hat, kann man seit der Zeit der Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg an vielen Punkten festmachen. So gibt es seit den neunziger Jahren sogar ein „Französisches Viertel“.

Heute beherbergt das Schloss die Archäologie der Uni Tübingen. Dort ist im Museum eine Schausammlung mit etlichen Raritäten zu bewundern. Denn die Tübinger Archäologen hatten zum Beispiel Troja ausgegraben. Daneben gibt es große etruskische und ägyptische Sammlungen sowie die Eisenzeit-Schau mit den vielen Elfenbeinfiguren, die bewundert werden können.

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Tübingen ist auch eine Stadt der alten Kirchen. Besonders schön ist die evangelische Stiftskirche, eine gotische Hallenkirche aus dem 15. Jahrhundert mit einem sehr beeindruckenden historischen Altarraum. Die Akustik in der Kirche ist derart brillant, dass sie immer wieder für Konzerte, die oft von der Orgel aus den 1960er Jahren begleitet werden, genutzt wird. Daneben lohnt auch der Besuch der katholischen Johanniskirche aus dem späten 19. Jahrhundert und der Jakobuskirche, die als Pilgerkirche noch auf romanischen Grundmauern steht.

Die Religionen prägten und prägen auch auf andere Weise. In der Stadt gab und gibt es zahlreiche Klosteranlagen. Neben dem Kloster Bebenhausen als Ausgangspunkt für den Jakobspilgerweg ist vor allem der Wilhelmsstift zu nennen. Ursprünglich war die Einrichtung ein Franziskanerkloster, wurde dann kurz nach der Gründung der Universität aber zu einem weltlichen „Collegium Illustre“ umgebaut. Hier lebten vor allem die Söhne der adligen Herren. Wenn diese in Tübingen studierten. Daneben gibt es einen evangelischen Stift, das frühere Augustiner-Eremiten-Kloster, welches als geistige Wiege Württembergs bezeichnet werden kann. Hier wurden zahlreiche evangelische Theologen ausgebildet. Darunter Namen wie Weidlinger, Schwab oder Hauff, die bekannten Tübinger Dichter des 19. Jahrhunderts, aber auch Hegel, Schelling und natürlich Hölderlin und Keppler. Ebenfalls eine große geschichtliche Vergangenheit hat das Nonnenhaus aufzuweisen, in dem sich heute einige Geschäfte befinden.

Auch Goethe war einst in Tübingen zu Gast. Nach ihm ist das Goethehäuschen, ein malerisches Gartenhaus auf dem Schlossberg. 1797 war Goethe für einige Tage bei seinem Verleger in Tübingen zu Besuch. Bei einem Spaziergang war er in dieses Gartenhäuschen eingekehrt.

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Neben den historischen Sehenswürdigkeiten gibt es auch zahlreiche Einrichtungen aus dem Kunst- und Kulturbereich, die Sie unbedingt besuchen sollten. Sehr bekannt ist die Tübinger Kunsthalle, die derzeit aber wegen Umbauarbeiten vorübergehend geschlossen ist. Weitere wichtige Museen neben Schloss Hohentübingen sind das Stadtmuseum mit der Lotte-Reiniger-Dauerausstellung, die Sammlung der Paläontologie mit ihren umfangreichen Exponaten zu den Themen Fossilien und Dinosaurier und der Botanische Garten mit seinen tropischen Gewächshäusern zu nennen. Auch im Auto- und Spielzeugmuseum „Boxenstopp“ sollten Sie mal vorbeischauen.

Auch für Theaterfreunde hat Tübingen viel zu bieten. Im Landestheater Tübingen (LTT) erwarten Sie auf einer großen und mehreren kleineren Bühnen ein sehr abwechslungsreiches Programm mit Klassikern, aber vor allem auch vielen modernen Inszenierungen.

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Einst hatte der Weinbau für Tübingen eine wichtige Rolle gespielt. Mit der Besiedelung der Weinberge verschwand der Anbau immer mehr. In den letzten Jahrzehnten hat er wieder seine alte Wichtigkeit zurückerlangt. Heute sind die Klassiker wie Riesling oder Trollinger aus Tübingen bei den Liebhabern sehr beliebt. Dazu kommen zahlreiche neue Sorten wie Akalon, die man in vielen Lokalen und Weinstuben genießen kann.

Über den Bürger- und Verkehrsverein Tübingen können jederzeit Altstadt- und Kostümführungen oder Touren ins Französische Viertel gebucht werden. Zudem können Sie aus rund 30 Themenführungen wählen.

Tübingen ist über die Autobahn A 81 sowie über die Bundesstraßen 27 und 28 angebunden. Zahlreiche Bahnlinien laufen im Tübinger Hauptbahnhof zusammen, der auch Intercity-Halt und Ausgangspunkt der S-Bahn Stuttgart. Per Flugzeug ist Tübingen via Stuttgart bequem zu erreichen. Alle Informationen zu unserem Urlaubsziel finden Sie wie immer im Internet unter www.tuebingen-info.de.